Kapitel 2 Teil 2
Maggie
Sie holte tief Luft und sah zu, wie Asher zum Abschied die Hand hob, als der Polizeiwagen davonfuhr. Sie hatte beinahe einen Herzinfarkt bekommen, als sie Melody in seinen Armen gesehen hatte. Sie kicherte bei dem Gedanken, wie lächerlich sie ausgesehen haben musste, als sie mit dem Besen auf ihn einschlug.
Melody machte wieder ein glucksendes Geräusch, und Maggie drehte den Kopf, um sie anzusehen. „Was meinst du, mein Schatz? Ist Asher Fitzgerald ein guter Mann?“ Melody gab einen weiteren Laut von sich, der alles hätte bedeuten können, aber das Lächeln auf ihrem Gesicht verriet, dass sie es glaubte.
Sie brachte die Koffer und Kartons ins Haus und seufzte, als sie sich umsah. Der Ort war wirklich eine Bruchbude, aber etwas anderes konnte sie sich nicht leisten, und außerdem kam es ihr gelegen, am Rande der Stadt zu sein. Sie brauchte keine neugierigen Nachbarn und wollte auch keine.
Asher war groß, wahrscheinlich über eins achtzig. Sein Haar war dunkel und seine Augen sahen aus wie ein bedrohlicher grauer Himmel kurz vor einem Regenschauer. Bevor er sie angelächelt hatte, hatte sie gedacht, er sähe gemein aus, aber dieses Lächeln änderte alles. Sie schüttelte den Kopf und fragte sich, warum sie überhaupt an ihn dachte. Daraus konnte nichts werden.
Sie musste einen Job finden, eine Möglichkeit, für Melody zu sorgen. Ihre Ersparnisse würden nicht ewig reichen, und das Geld, das sie vor ihrer Flucht gestohlen hatte, würde auch nur eine begrenzte Zeit vorhalten.
Als Maggie daran dachte, dass sie nicht einmal ein Kinderbett hatte, spürte sie, wie ihr die Tränen kamen. Sie durfte nicht weinen; das würde ihre Situation nicht verbessern. Sie hatte ihre Entscheidungen getroffen, also musste sie jetzt damit leben. Sie hatten ein Dach über dem Kopf und sie waren frei. Das war alles, was zählte.
Sie verbrachte den Vormittag mit Putzen und Auspacken und nahm Melody dabei von Zimmer zu Zimmer mit. Sie war mit dem kleinen Mädchen wirklich gesegnet. Sie war ein braves Baby, das Maggie zufrieden bei ihren Arbeiten zusah, brabbelte, in die Hände klatschte und auf dem Beißring aus Gummi kaute.
Während des Putzens machte sich Maggie Notizen in einem Spiralblock. Einige der Schranktüren mussten repariert werden. Die Haustür musste wahrscheinlich neu eingehängt werden. Sie hatte Mühe, sie zu öffnen und zu schließen. Einige der Lichter funktionierten nicht, und unter dem Haus kam ein seltsamer Geruch hervor. Die Veranda hatte durchhängende Dielen, und die Geländer auf beiden Seiten der Treppe waren locker. Sie machte sich eine Notiz wegen der Wasserleitungen, als sie duschte und feststellte, dass es kein heißes Wasser gab. Der Strom funktionierte wenigstens, und sie wusste, dass es hätte schlimmer kommen können.
Das Wohnzimmer hatte einen Kamin, aber im Inneren befanden sich jahrelanger Staub, Ruß und Asche. Sie hatte noch nicht die Kraft gehabt, ihn zu säubern. In einem Schlafzimmer stand ein Bett mit einer klumpigen und durchgelegenen Matratze. Das Badezimmer sah veraltet aus, und obwohl sie die Fliesen geschrubbt hatte, bis ihr die Arme schmerzten, sah es nicht besser aus als vor dem Putzen. Die meisten Fliesen waren gesprungen, aber sie hatte eine Badewanne und eine Dusche, und die Toilette funktionierte.
Das zweite Schlafzimmer war bis auf eine Kommode leer. Im Wohnzimmer standen ein niedriger Couchtisch aus Holz und eine schmutzige, durchgesessene Couch. In der Küche befand sich ein alter Kühlschrank, der jedes Mal stöhnte, wenn sie die Tür öffnete. Es gab keinen Wasserkocher, eine Pfanne, einen Topf, zwei Teller, drei Löffel und einen Dosenöffner.
Nach dem Duschen zog sie Melody kühlere Kleidung an und fluchte leise, während sie sich abmühte, die Haustür abzuschließen. Sie machte sich auf den Weg in die Stadt und erinnerte sich daran, dass Asher ihr erzählt hatte, wie heiß es hier wurde. Schweiß rann ihr den Rücken hinunter, als sie Melody vorne in den Einkaufswagen setzte und den Supermarkt betrat. Sie kaufte das Nötigste: einen Wasserkocher, ein Geschirrset, Besteck, eine beschichtete Pfanne und ein paar weitere wichtige Dinge. Ihr nächster Halt war ein Secondhandladen, wo sie direkt auf das Kinderbett zusteuerte, das sie von draußen gesehen hatte. Es lag etwas über ihrem Budget, wenn man bedachte, dass Melody höchstens noch anderthalb Jahre darin schlafen würde. Es gab Wichtigeres als ein Kinderbett, aber wenn sie einen Job finden konnte, dann könnte sie es von ihrem ersten Gehalt kaufen. Sie rechnete kurz im Kopf nach, denn sie wusste, dass sie mehr als nur ein Bett brauchen würde. Vorerst konnte sie jedoch ihre Matratze auf den Boden legen und sich den Platz mit Melody teilen. Sie würde einen Kinderwagen und mehr Kleidung für Melody brauchen, also sah sie sich um. Schließlich entschied sie sich für eine Mikrowelle und fragte sich, wie sie diese und Melody zum Auto bekommen sollte.
Die Glocke an der Tür bimmelte, als sie aufging, und sie blickte in Ashers Augen. In Jeans und T-Shirt sah er völlig anders aus, seine Arme waren definiert. Warum fühlte es sich an, als würde er ihr direkt in die Seele blicken?
„Maggie“, sagte er, bevor sein Blick zu Melody wanderte, die sie auf dem Arm hielt. „Miss Melody.“ Als wüsste sie genau, wer er war, streckte sie lächelnd und brabbelnd ihre Arme nach ihm aus.
„Asher“, sagte sie leise. Die Frau hinter der Theke beobachtete sie aufmerksam, und sie reichte ihr schnell das Geld für die Mikrowelle.
„Lassen Sie mich das für Sie übernehmen“, sagte Asher und hob die Mikrowelle hoch, bevor sie etwas sagen konnte. Er hielt ihr die Tür auf und folgte ihr zu ihrem Auto.
„Danke, das hätten Sie wirklich nicht tun müssen“, sagte Maggie, als er das Gerät auf den Rücksitz ihres Wagens stellte.
„Ich hätte Sie das nicht tragen lassen“, sagte er. Als er die Tür schloss, sah es so aus, als wollte er noch etwas sagen, doch er schloss den Mund, ging zurück zum Secondhandladen und verschwand aus ihrem Blickfeld.
Melody brabbelte den ganzen Weg zurück zum Haus, wo Maggie sie im Wohnzimmer auf ihre Spielmatte legte, bevor sie das Auto ausräumte und die schwere Mikrowelle in die Küche schleppte. Sie fühlte sich besser, nun da sie wusste, dass sie Essen im Haus hatten. Um den Rest würde sie sich später kümmern. Sie würde es schon schaffen. Sie hatte nicht viele Möglichkeiten, aber hierbei hatte sie eine Wahl. Es würde ihr gut gehen, und Melody auch.
