Kapitel 5 Schwanger?!

Das laute Stimmengewirr vor dem Sitzungssaal verstummte augenblicklich.

Alle richteten sich auf und bildeten zwei ordentliche Reihen, während die Luft vor Spannung zu vibrieren schien.

Selbst ohne ihn zu sehen, konnte Cora die Macht seiner Anwesenheit spüren.

Sie drehte sich um, neugierig auf den Mann, vor dem alle Angst zu haben schienen—

—und die Welt kippte.

Ein Schwindelanfall überrollte sie, vor ihren Augen wurde es schwarz, und der Berg an Aktenmappen in ihren Armen verteilte sich über den Marmorboden, als sie nach vorn stürzte.

Die Angestellten japsten wie aus einem Mund.

Jedes Gesicht wurde bleich.

Cora ist erledigt.

Sie war direkt vor Mr. Watson zusammengebrochen.

So einen Fehler überstand niemand.

Julian war gerade mit langen Schritten auf den Besprechungsraum zugegangen, als eine hastige Bewegung seinen Blick streifte—

eine junge Frau, überladen mit Ordnern, die direkt auf ihn zutorkelte.

Sein Instinkt sagte ihm, auszuweichen.

Doch in dem Moment, in dem er ihr Gesicht sah, erstarrte etwas in ihm.

Bevor er nachdenken konnte, trat er vor und fing sie auf.

Ein Raunen ging durch den Flur.

Niemand wagte zu atmen.

Mr. Watson hat sie tatsächlich berührt?

Er ließ keine Frau an sich heran.

Das wusste jeder im Unternehmen.

Man erzählte sich, wer versuchte, mit ihm zu flirten, sei innerhalb eines Tages seinen Job los.

Und nun stand er da—und hielt eine einfache Mitarbeiterin in den Armen.

Coras Wimpern zuckten. Ihr Bewusstsein verschwamm.

Kurz bevor alles dunkel wurde, erhaschte sie einen Blick auf sein Gesicht—kantig, markant, viel zu vertraut.

Dieses Gesicht … warum sieht es aus wie der Mann von jener Nacht …?

Dann verblasste alles.

Julian blickte hinab.

Die Frau in seinen Armen war vollständig ohnmächtig.

Der Korridor lag still—alle warteten darauf, dass er explodierte.

Stattdessen korrigierte er seinen Griff, hob sie mühelos hoch und wandte sich an seinen Assistenten.

„Bringen Sie sie ins Krankenhaus.“

Der Assistent hastete vor, um sie ihm abzunehmen.

Julians Blick glitt über den Boden—überall verstreute Papiere.

Sein Kiefer spannte sich.

Mehrere Angestellte stürzten sich darauf, alles aufzusammeln, zu verängstigt, auch nur ein Wort zu sagen.

Erst als der Flur wieder frei war, ging Julian vorbei, mit einem Ausdruck, aus dem niemand klug wurde.

Als sich die Aufzugtüren hinter ihm schlossen, brach das Büro in Aufruhr aus.

„Mr. Watson—hat sie gehalten?“, flüsterte eine Frau. „Er hat sie gehalten und sie nicht gefeuert?“

Eine andere seufzte verträumt. „Verflucht, ich wünschte, ich wäre jetzt Cora …“

Cora wurde in das Privatkrankenhaus der Watson Group gebracht.

Nach einer vollständigen Reihe von Untersuchungen lächelte der Arzt den Assistenten an.

„Herzlichen Glückwunsch, Sie werden Vater.“

Der Assistent blinzelte. „Was?“

Er brauchte einen Moment, um es zu begreifen.

„Sie ist schwanger?!“

Seine Augen wurden groß. Moment … Mr. Watson hat sie persönlich aus dem Büro getragen … Kann es sein—?

Also war Mr. Watson doch nicht völlig desinteressiert an Frauen.

Der arme Kerl hätte vor Erleichterung beinahe gejubelt—sein Job und offenbar auch seine Keuschheit waren in Sicherheit.

Jetzt, voller Aufregung und Klatsch, rannte er los, um seinem Chef die „guten Nachrichten“ zu überbringen.

Währenddessen saß Julian im Konferenzraum und verhandelte mit einem koreanischen Konzern über einen großen Halbleiter-Deal.

Wenn er zustande kam, würde er beiden Seiten enorme Gewinne bringen—und die internationale Dominanz der Familie Watson zementieren.

„Unser Vorsitzender stellt die Familie über alles“, sagte der koreanische Vertreter höflich. „Er ist überzeugt, dass nur diejenigen, die Familie achten und schätzen, dauerhafte Partnerschaften aufrechterhalten können. Mr. Watson, ein Mann von Ihrem Talent und Ihrem Rang muss doch sicher familienorientiert sein, nicht wahr?“

Julian lächelte makellos. „Selbstverständlich. Die Watsons nehmen Familiendisziplin sehr ernst.“

In diesem Moment vibrierte sein Telefon.

„Verzeihen Sie“, sagte er mit einem höflichen Nicken. „Eine kurze Nachricht.“

Der Vertreter machte eine freundliche Geste, er solle fortfahren.

Julian warf einen Blick auf den Bildschirm.

Mr. Watson, die Mitarbeiterin, die vorhin in Ohnmacht gefallen ist, wurde untersucht—die Schwangerschaft ist bestätigt.

Für einen Moment verhärteten sich seine Züge.

Schwanger?

Er saß völlig reglos. Vor seinem inneren Auge flackerte jene Nacht auf—

Kein Schutz. Keine Klarheit. Keine Gewissheit.

Doch jetzt war die Antwort eindeutig genug.

Sein Blick verdunkelte sich.

„Ist alles in Ordnung, Mr. Watson?“, fragte der Koreaner, der die Veränderung bemerkte.

Julian klang ruhig, aber schneidend. „Nichts Wichtiges.“

Der Mann entspannte sich und lächelte wieder. „Ausgezeichnet. Unser Vorsitzender und seine Frau werden nächsten Monat kommen, um die Dokumente zu finalisieren. Wir hoffen, Sie bringen zur Unterzeichnung ebenfalls Ihre eigene Ehefrau mit.“

Julians Kiefer spannte sich kaum merklich, doch seine Antwort kam glatt und kalt.

„Selbstverständlich. Die Watsons enttäuschen unsere Partner nie.“

Er schüttelte dem Mann fest die Hand—und verbarg den Sturm hinter seinen Augen.

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