Kapitel 8 Dann lass uns heiraten

„Mrs. Watson, bitte machen Sie sich keine Sorgen“, sagte der behandelnde Arzt gut gelaunt. „Ihrem Baby geht es bestens – gesund und kräftig.“

Coras Gesicht wurde kreidebleich.

Mit weit aufgerissenen Augen packte sie den Arzt am Handgelenk, die Stimme zitterte.

„W–was haben Sie gerade gesagt? Baby? Heißt das, ich bin … schwanger?“

In ihrem Kopf wurde es leer.

Sie hatte Kinder immer geliebt – hatte davon geträumt, irgendwann einmal eins zu haben.

Aber nicht so.

Nicht mit ihm.

Der Albtraum, dem sie entkommen zu sein glaubte, war zurückgekehrt und zog sie tiefer in seinen Schatten.

Warum? Warum war das Schicksal so grausam, sie wieder an jene Nacht zu erinnern – an alles, was sie zu vergessen versucht hatte?

Draußen war Julian am Ende.

„Nein!“ Seine Stimme donnerte durch den Korridor. „Es ist mir egal, was irgendwer sagt – ich werde sie nicht heiraten!“

Mit kaum gebändigter Wut stellte er sich seiner Großmutter. „Ich heirate keine Frau, die ich nicht liebe!“

Madam Yoons Blick verhärtete sich, ihre Stimme war Eis.

„Julian, du tust gut daran, gründlich nachzudenken. Das Unternehmen steht kurz davor, eine bedeutende Partnerschaft mit dem koreanischen Konzern zu unterzeichnen. Dessen Vorstandsvorsitzender und seine Frau werden bald zu Besuch kommen – und ihre gesamte Philosophie dreht sich um Familienwerte.“

Ihr Ton wurde schärfer.

„Wenn sie herausfinden, dass du eine Frau geschwängert und sie dann sitzen gelassen hast – was, glaubst du, macht das mit dem Namen Watson?“

Julians Zorn stockte.

Er atmete langsam ein, griff nach einer Zigarette und zündete sie an.

Als er sie ausgeraucht hatte, war das Feuer in seinem Gesichtsausdruck etwas Kälterem gewichen – kontrolliert, berechnend.

Der berüchtigte Mr. Watson war zurück.

Madam Yoon sah es und setzte nach.

„Meine Position ist klar: Du wirst sie heiraten. Ich werde nicht zulassen, dass du sie versteckst und die Mutter dieses Kindes im Stich lässt. Das würde unseren Ruf zerstören und den koreanischen Vertrag gefährden. Wir reden von einem Bündnis über zehn Jahre, Julian. Zehn Jahre Gewinn und Einfluss – ich lasse nicht zu, dass irgendetwas das ruiniert.“

Ihr Ton wurde einen Hauch weicher, doch der Befehl dahinter blieb.

„Und vergiss nicht: Ohne einen Erben schielen deine Onkel und Cousins bereits auf deinen Platz. In dem Moment, in dem du einen einzigen Fehler machst, kann alles, was du aufgebaut hast, in sich zusammenfallen. Du weißt, was zu tun ist.“

Julian ballte die Hände an den Seiten.

Sie hatte recht – jedes einzelne Wort.

Er trug den Titel des CEO nur, weil seine Großmutter sich dem Vorstand widersetzt hatte, um ihn dorthin zu setzen.

Der Rest der Familie hasste ihn noch immer dafür.

Er hatte sie mit Ergebnissen zum Schweigen gebracht, doch Macht wie seine war zerbrechlich.

Und nach diesem Hotelskandal vor einem Monat stand sein Ruf ohnehin unter Beobachtung.

Wenn dieser neue Vorfall nicht eingedämmt wurde, konnte er ihn zerstören – und die koreanischen Partner glaubten vermutlich längst, die Frau aus den Klatschblättern sei seine „Mrs. Watson“.

Endlich hob er den Blick zu seiner Großmutter, Erschöpfung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

„In Ordnung“, sagte er leise. „Ich werde sie heiraten. Sie kann das Kind bekommen.“

Madam Yoon lächelte, stolz und zufrieden.

Da war ihr Enkel – derjenige, der Macht verstand, Strategie, Opfer.

Sie klopfte ihm auf die Schulter. „Guter Junge. Geh und beruhige das Mädchen. Ich vertraue darauf, dass du weißt, was zu tun ist.“

Damit drehte sie sich um und verließ den Raum.

Julian sah ihr nach, dann senkten sich seine Augen auf den polierten Boden.

Das Licht darin war kalt, unlesbar.

Er würde sie heiraten.

Aber er würde nie mit ihr leben – nicht wirklich.

Es würde ein Vertrag sein, nichts weiter.

Und Julian Watson verlor niemals eine Verhandlung.

Drinnen in der Suite saß Cora zusammengerollt auf dem Bett, die Knie fest an die Brust gezogen, während stumme Schluchzer ihren Körper schüttelten.

Die Krankenschwestern und Ärzte sahen einander an und flüsterten.

Wie seltsam – die meisten Frauen würden jubeln, wenn sie den Watson-Erben in sich trugen, doch diese hier wirkte vollkommen zerbrochen.

Die Tür ging auf.

Julian trat ein, sein langer Schritt hallte über den Marmorboden.

Er würdigte das Personal kaum eines Blickes.

„Raus.“

„Mr. Watson … die junge Madame –“, begann der Arzt.

„Ich habe gesagt: raus.“

Der Befehl in seiner Stimme ließ alle auseinanderstieben.

Cora hob den Kopf, erschrocken von dem Klang.

Und als sie ihn sah – als sie den Mann, der vor ihr stand, endlich erkannte –, brachen ihre Tränen erneut hervor, unkontrollierbar, endlos.

Jetzt verstand sie, wer er war.

Der Mann von jener Nacht.

Der Mann, der alles verändert hatte.

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