Kapitel 7

Sophia war von diesem plötzlichen Wutausbruch völlig wie vor den Kopf geschlagen. Jede Spur von Schläfrigkeit war augenblicklich verflogen.

Sie krallte die Finger in die Ecke der Decke. „Ich … ich weiß nicht, wovon du redest.“

Gerald stieß ein verächtliches Lachen aus, voll blanker Geringschätzung.

Mit seinen langen Beinen durchmaß er den Raum, war in wenigen Schritten am Bett. Seine erdrückende Präsenz verschlang Sophia geradezu.

„Claire hat sich wirklich Mühe gegeben, dich zu trösten!“ Seine Stimme schnellte hoch, in der stillen Nacht besonders furchteinflößend. „Und du — weil du dich auf deine Stellung als erfahrene Mitarbeiterin verlässt — ziehst so eine kalte Miene, drückst dich vor der Verantwortung und hast sie auch noch schikaniert! Sophia, wer hat dir den Mut dazu gegeben?“

Bei diesen Worten begriff Sophia sofort, dass jemand sie verpfiffen hatte.

Die Kälte in ihrer Brust wurde noch schlimmer als zuvor.

Sie hob den Kopf, und selbst in der Dunkelheit spürte sie den Zorn in Geralds Augen, fast greifbar.

Auf dem Papier war sie seine Frau, doch in seinen Augen war sie die Bösartigste von allen.

Wie ironisch.

„Ich habe sie nicht schikaniert.“ Sophia sprach, und ihre Stimme war unerwartet ruhig. „Ich habe nur Tatsachen benannt. Dieses Dokument gehörte wirklich nicht zu meinem Aufgabenbereich. Ich habe bereits erledigt, was ich erledigen sollte. Ich bin nicht verpflichtet, für die Fehler oder Hintergedanken anderer zu bezahlen.“

Gerald tat, als hätte er den größten Witz seines Lebens gehört. Er beugte sich abrupt vor und packte Sophia am Vorderteil ihres Pyjamas — so fest, dass er sie beinahe vom Bett hochriss.

„Sophia, lass diese selbstgerechte Nummer!“ Er ging dicht an sie heran, sein heißer Atem schlug ihr ins Gesicht. „Claire hat so etwas durchgemacht. Sie ist gutherzig, nimmt es dir nicht übel und hat sogar noch für dich gesprochen! Und du? Du bist nicht nur undankbar, du wagst es auch noch, ihr gegenüber so aufzutreten? Weißt du überhaupt, wie lange sie wegen deines Verhaltens heute Nachmittag niedergeschlagen war?“

Sophia wurde am Kragen festgehalten, gezwungen, den Kopf zurückzulegen, und rang nach Luft.

Doch als sie sein hübsches Gesicht sah, erfüllt von Abscheu, wurde ihr Herz von trostloser Leere überflutet.

„Dass sie niedergeschlagen ist, hat mit mir nichts zu tun.“ Sophia sprach Wort für Wort, quälend langsam. „Gerald, in deinen Augen ist alles, was ich tue, falsch, alles, was ich sage, eine Ausrede. Und alles, was Claire tut, ist richtig, alles, was sie sagt, ist Wahrheit. Wenn es so ist, warum fragst du mich dann überhaupt? Hast du mich nicht längst in deinem Herzen verurteilt?“

Ihr Ton war ruhig, und doch brachte er Gerald auf eine seltsame Weise zur Weißglut.

Er hasste diese Haltung von ihr, wie sie ihm immer widerstand — scheinbar schwach, in Wahrheit stur bis zum Schluss!

Gerald lachte vor maßlosem Zorn. Mit einem kalten, bitteren Lächeln sagte er: „Gut. Sehr gut. Du willst also keine Arbeit machen, die nicht deine ist, ja? Du findest die Arbeit, die ich dir zuweise, ungerecht, ja?“

Er richtete sich auf und sah auf sie hinab. „Dann weise ich dir jetzt als Präsident der Churchill Group offiziell eine Aufgabe zu.“

Seine Stimme war betont. „Michaels Haustierschlangen sind in letzter Zeit nicht richtig versorgt worden, deshalb ist es dort ziemlich verdreckt. Geh und putz den Schlangenraum gründlich. Innen wie außen, jede Ecke — kein einziger Fleck darf bleiben.“

Der Schlangenraum?

Sophias Pupillen zogen sich schlagartig zusammen. Sie spürte, wie das Blut in ihrem Körper zu gefrieren schien.

Michael liebte es, Schlangen zu halten.

Hinter der Villa hatte man einen separaten, temperaturgeregelten Schlangenraum gebaut, in dem Dutzende bunter Schlangen untergebracht waren.

Das war der Ort, vor dem Sophia in dieser Villa am meisten Angst hatte.

Schon wenn sie in einiger Entfernung daran vorbeiging und die Geräusche von drinnen hörte, stellte es ihr die Haare zu Berge und bescherte ihr Albträume.

Gerald wusste das! Er wusste ganz genau, wie panische Angst sie vor Schlangen hatte!

„Nein …“ Instinktiv wich sie zurück, ihre Lippen zitterten unkontrolliert. „Ich gehe nicht … Gerald, du weißt doch, dass ich Angst vor Schlangen habe … Ich gehe nicht!“

„Du hast keine Wahl.“ Gerald war ihrer Furcht gegenüber völlig gleichgültig. „Hast du nicht gesagt, es sei unfair? Den Schlangenraum zu reinigen, ist deine Pflicht als Mitglied der Familie Churchill. Ist das nicht sehr fair? Wenn du so prinzipientreu bist, solltest du Befehle befolgen.“

„Nein! Du folterst mich absichtlich!“ Sophia schrie außer sich, Tränen strömten ihr über das Gesicht. „Du weißt doch ganz genau, dass ich Angst habe! Warum tust du mir das an?“

Doch ihre Tränen brachten nicht einmal eine Spur von Mitleid hervor.

Der letzte Rest Wärme verschwand aus Geralds Gesicht.

Er nahm sein Handy heraus und tätigte einen Anruf. „Schickt zwei Leute hoch, bringt Sophia in den Schlangenraum. Passt auf sie auf, lasst sie nicht raus, bis der Schlangenraum vollständig sauber ist.“

„Gerald! Das kannst du nicht tun! Ich bin schwanger! Du kannst nicht!“ Sophia geriet völlig in Panik. Sie hielt schützend die Hand auf ihren Bauch und schüttelte verzweifelt den Kopf. Sie wollte vom Bett aufspringen und fliehen, doch ihre Beine waren zu schwach, um sie zu tragen.

Nicht lange danach erschienen zwei regungslose, hartgesichtige Bodyguards in der Tür.

„Nehmt sie“, befahl Gerald ohne Regung.

„Nein! Lasst mich! Ich gehe nicht! Gerald! Das Baby … denk an das Baby!“ Die Bodyguards packten Sophia an beiden Armen und zerrten sie vom Bett weg.

Sie wehrte sich, eine nie gekannte Angst drohte sie zu ertränken.

Diese glitschigen, kalten Wesen, der enge Raum … schon der Gedanke daran ließ sie fast zusammenbrechen.

Gerald beobachtete nur kühl, wie man sie hinausschleifte. Die Tränen auf ihrem fahlen Gesicht rührten in ihm nichts.

„Mach deine Arbeit ordentlich.“ Als sie aus der Tür gezerrt wurde, drang seine kalte Stimme zu ihr herüber. „Merk dir diese Lektion. Und lern künftig, wie man mit Claire spricht.“

Die Tür schloss sich vor ihm, und der Flur fiel zurück in Stille.

Gerald blieb stehen, während die Wut in seiner Brust nicht im Geringsten nachließ.

Er zupfte an seinem Kragen und wandte sich dem Hauptschlafzimmer zu.

Die Schlangen, die Michael zu Hause hielt, waren alle ungiftig, höchstens schmutzig und übelriechend. Sophia würde im Schlangenraum kein wirklicher Schaden zugefügt werden.

Er musste ihr begreiflich machen, dass Menschen mit böser Absicht bestraft werden mussten.

Am Morgen klarte das Wetter auf.

Ein weißer Sportwagen hielt vor der Churchill-Villa.

Claire stieg aus, in der Hand die neueste Designerhandtasche. Ein sanftes Lächeln lag auf ihrem Gesicht, das mit makellosem Make-up geschmückt war.

„Claire! Du bist da!“ Michael lümmelte auf dem Sofa im Wohnzimmer und spielte Videospiele. Als er sie sah, leuchteten seine Augen auf, und er warf den Controller sofort weg und kam herüber. „Das ist dein erstes Mal bei uns, oder? Gerald ist oben im Arbeitszimmer in einer Videokonferenz, er kommt gleich runter. Setz dich einfach irgendwo hin, fühl dich wie zu Hause!“

„Michael, es tut mir leid, dich zu stören“, erwiderte Claire leise. Ihr Blick glitt beiläufig durch das großzügige Wohnzimmer.

„Gerald ist beschäftigt, ich warte auf ihn. Übrigens, seid nur ihr hier zu Hause?“ fragte sie taktvoll.

„Du meinst, ob noch andere da sind?“ Michael verzog die Lippe, unverhohlene Verachtung im Gesicht. „Meine Eltern wohnen nicht oft hier, und Opa ist auch zurück ins Churchill-Anwesen. Und was Geralds nervige Frau angeht …“

Er zog die Worte in die Länge, sein Gesicht voller Ekel.

In Claires Herzen rührte sich etwas, und sie setzte einen Ausdruck angemessener Neugier auf. „Mrs. Churchill? Sie ist nicht zu Hause? Ich hatte noch gar keine Gelegenheit, sie kennenzulernen.“

Vorheriges Kapitel
Nächstes Kapitel