Eins

Sie sind nah, ich konnte sie hören. Mein Herz hämmerte gegen meine Brust, schlug wie eine Kriegstrommel zur Vorbereitung auf die Schlacht. Ich stolperte, während ich durch den Wald rannte, strauchelte, aber fiel nie, denn ich wusste tief in meinem Inneren, meine Füße wussten, dass in dem Moment, in dem sie aufhörten zu laufen, mein Leben vorbei war. Ich wusste, dass ich schon lange vor Beginn meines Wettlaufs tot war. Ich war die auserwählte Jungfrau meines Stammes für die Jungfrauenjagd, ein blutiges Ereignis, das von den Darith praktiziert wird – unseren Herren und Meistern, dem Volk, das seit Anbeginn der Zeit sieben Stämme kontrolliert.

Ich wurde auserwählt, weil ich die Letzte meiner Familie war; mein Vater war vor weniger als zwei Wochen gestorben. Er starb in Schande, nur weil er es nicht ertragen konnte, dass eine aus seinem Volk den Darith für die Jungfrauenjagd übergeben wurde. Er trat zurück, und wie wurde es ihm gedankt? Seine einzige Tochter wurde als Jungfrau für meinen Stamm in ebenjenem Zyklus entsandt, in dem er gestorben war.

Ein gequälter Schrei ertönte zu meiner Linken, was mir als Ansporn diente, schneller zu laufen. Das war der Schrei einer Jungfrau, die gefangen und zu Tode vergewaltigt wurde. Und wenn die Krieger der Dar ihrer überdrüssig wurden, bevor sie starb, wurde sie auf die andere Seite des Waldes gebracht, wo sie zusammen mit den Leichen ihrer Mit-Jungfrauen, die an der Jagd teilgenommen hatten, bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Jede Jungfrau, die das Ziel erreichte, ohne gefangen zu werden, erhielt Gnade und einen Platz zum Leben unter den Darith. Unsere Erlösung oder unser Untergang ereigneten sich auf demselben Feld; es hing nur davon ab, wie wir dorthin gelangten.

Das ist die Hoffnung von uns allen, den Jungfrauen. Das unmögliche Ziel zu erreichen. Unmöglich, weil seit über 400 Jahren noch nie eine Jungfrau den Kriegern der Dar entkommen ist. Das Nächste, was sie uns erlaubten, war die Mitte des Waldes, bevor sie anfingen, uns eine nach der anderen wie Fliegen zu pflücken.

Ich höre das schwere Atmen eines Mannes hinter mir, als ich einen spitzen Schrei ausstoße, aber anders als die anderen schreie ich nicht aus Angst. Ich habe mein Schicksal akzeptiert, es war schon seit einiger Zeit besiegelt. Mein Schrei war eine Warnung. Eine Warnung an jede Jungfrau in meiner Nähe, so weit wie möglich wegzukommen, da sich bald eine Gruppe von Kriegern zu dem hinter mir gesellen würde, um die Beute der Jagd zu genießen.

Ich nutzte meine letzten Kraftreserven, um zu rennen, und als ich meinen Blick nach vorne richtete, sah ich die Lichtung … Ich war fast in Freiheit, bis sich meine Beine verfingen und ich stürzte. Der Krieger landete auf mir, und mein Atem stockte. Die wahre Folter würde jetzt beginnen. Ich schloss die Augen und wappnete mich für das Zerreißen meiner Kleidung und den Beginn der Misshandlung. Es begann, als der Krieger seine Hand unter meine Kleidung schob und einen Finger in mich stieß. Meine Augen flogen auf, als ich versuchte, den Krieger von mir herunterzubocken, aber ich wurde von seinem schweren Gewicht auf mir festgenagelt. Ich war doch nicht so bereit aufzugeben, wie ich ursprünglich gedacht hatte. Ich riss so fest ich konnte am Kopf des Kriegers, doch er lachte nur über meine Bemühungen.

„Eine Jungfrau“, murmelte er. Er zerrte mich hoch und warf mich wie einen Sack Kartoffeln über seine Schulter, während er zügig zur Lichtung schritt. Ich wehrte mich, so gut ich konnte, aber es machte keinen Unterschied. Ich sollte unverbraucht verbrannt werden, ein jungfräuliches Opfer. Vielleicht würden sie meinem Dorf auftragen, für die Jagd nur noch Jungfrauen bereitzustellen. Die Idroms waren beauftragt worden, ihre schwächsten Kämpferinnen für die Jagd zu liefern, und niemand wusste, warum. Ich weigerte mich, der Grund dafür zu sein, dass unberührte Mädchen meines Stammes leiden mussten.

Sobald wir die Lichtung erreichten, ließ er mich zu Boden fallen, wo ich ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Er war größer als jeder andere Mann, den ich je gesehen hatte.

„Orel, was hat das zu bedeuten?“, fragte ein alter Mann in schmutzigen Roben, während Keuchen die Luft erfüllte, als sie erkannten, dass ich weder tot noch geschändet war.

„Meine Braut“, erwiderte mein Entführer knapp.

„Sei nicht lächerlich, Orel, du kannst keine Maid der Jagd zu deiner Braut erwählen“, entgegnete eine reich gekleidete Frau. Ihre Kleidung verriet, dass sie von adliger Geburt war.

„Meine Dame, das kann er“, sagte der schmutzig gekleidete Mann, und auf dem Feld wurde es still. „Die Krieger der Jagd können eine Braut aus der Jagd wählen, aber nur, wenn er mit allem, was sie ist, zufrieden ist. Bist du, Orel, Sohn des Bryman, zufrieden mit der Maid vor dir?“

„Das bin ich“, antwortete Orel, mein Entführer.

„Sie hat dir nichts zu bieten, wie kannst du mit ihr zufrieden sein? Du musst scherzen“, kreischte die Adlige wütend.

Orel würdigte sie nur eines kurzen Blickes, wandte sich dann wieder mir zu und durchbohrte mich mit der vollen Wucht seines Blicks, als wäre sie seiner Aufmerksamkeit nicht wert. „Wäre ich nicht zufrieden, hätte ich sie nicht erwählt.“

„Wie kann er das tun? Er versucht, sich aus der Ehevereinbarung herauszuwinden, seht ihr das nicht? Er kann doch nicht mit einem einzigen Blick erkennen, dass sie die Seine ist“, kreischte sie erneut.

„Tatsächlich kann er das“, sagte der schmutzig gekleidete Mann wieder, während das Murmeln anschwoll. Der alte Mann erhob seine Stimme über den Lärm der Menge und fuhr fort: „Vom Kriegsherrn werden viele Dinge erwartet, große Dinge. Es ist 500 Jahre her, seit ein Kriegsherr eine Braut aus der Jagd erwählt hat. Schreckliche, aber große Dinge sind geschehen. Heute wurde eine weitere Maid erwählt. Lasst uns hoffen, dass die Schicksalsgöttinnen mit ihnen sind. Ich segne eure Verbindung.“

„Ich segne eure Verbindung“, wiederholten die Leute in der Menge, einige zögerlich, andere verwirrt.

„Du kannst mit deiner Braut gehen“, sagte der schmutzige Mann, woraufhin Orel kurz mit dem Kinn nickte und mich aufhob.

Ich hob den Kopf, nur um zu sehen, wie die Adlige mich hasserfüllt anstarrte, während andere Krieger die Maids auf dem Scheiterhaufen auf der Lichtung aufschichteten. Einige dieser Maids flehten und weinten. Ich verbarg mein Gesicht in Orels Kleidung, als der alte Mann eine Fackel nahm und den Scheiterhaufen in Brand setzte, während die Leute zu singen begannen. Ich zitterte, als ich die Schreie in der Ferne hörte. Ich war dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen, befand mich aber immer noch in Gefahr und hatte anscheinend einen Ehemann aufgebürdet bekommen. Ein tiefes Gefühl des Grauens überkam mich. Etwas sagte mir, dass dies erst der Anfang war.

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