Kapitel 5 5
Die privaten Lounges sind kleinere Räume im hinteren Bereich des großen Saals. Die Einrichtung hier ist dunkler, üppiger, erlesener. Ein abgeschiedener Ort, um abgeschiedene Dinge zu tun.
Perfekt für meine Zwecke.
Ich geleite Olivia in einen der Räume. Wir haben uns gerade gesetzt, als die Gastgeberin hereinbrummt und einen Wagen mit Kaffee und Gebäck hereinschiebt. Darunter kleine Quadrate Schokoladenkuchen und bunt schillernde Macarons.
„Kann ich Ihnen sonst noch etwas bringen?“
„Privatsphäre.“
Die Gastgeberin zögert, wirft mir einen nervösen Blick zu. In ihrem Lächeln liegt eine Einladung, doch ihr zugute: Sie versteht den Wink und geht, schließt die Tür der Kabine hinter sich. Eine kluge Frau.
Olivia sieht mich an, als könnte sie es kaum fassen. „Also … du bist wichtig.“
Ich zucke mit den Schultern. „Oder ich bin einfach nur ein Rich Kid, das die Mitgliedschaft seines Vaters ausnutzt.“
Sie rümpft die Nase. „Nein. Nein, das glaube ich nicht.“
„Nicht?“
Wir sitzen auf demselben Sofa, aber sie hat sich so platziert, dass gut ein Meter zwischen uns liegt. Es überrascht mich, wie sehr mich das ärgert.
Ich war noch nie jemand, der etwas erträgt, das ihm nicht gefällt. Also rücke ich näher. Sie spannt sich an, als ich in Reichweite gleite.
„Ähm, also, nein“, wiederholt sie und müht sich, ihren Gedankengang wiederzufinden. „Du … du wirkst wie die Art Mann … die, ähm—“
„Wie welche Art Mann wirke ich?“ dränge ich.
Sie nagt an ihrer Unterlippe, sichtlich wütend auf sich selbst. „Wie die Art Mann, die es aus eigener Kraft geschafft hat. Stimmt’s?“
Ich lächle. „Sehr gut. Du bist aufmerksam.“
„Das liegt an meinem Job“, sagt sie. „Ich beobachte Menschen. Ich sehe gern, wie sie sich verhalten, wenn sie nicht wissen, dass jemand zusieht.“
„Oh, aber mir ist bewusst, dass du zusiehst“, sage ich leise. „Sehr bewusst.“
Sie errötet und schießt nach vorn, um nach ihrer Kaffeetasse zu greifen, damit sie auf diese letzte Bemerkung nicht antworten muss. Aber sie packt sie so hastig, dass heißer Kaffee über den Rand schwappt und auf ihre Finger läuft.
„Gott-verfickte-Scheiße-verdammt!“ sagt sie zum zweiten Mal.
Ich nehme ihr die Tasse aus den Händen. „Interessante Wortwahl“, bemerke ich und versuche, mein Lachen zu zügeln. „Hab noch nie jemanden so fluchen hören.“
Sie ist knallrot vor Verlegenheit. „Mein Bruder hat mir als Kind ständig so was beigebracht. Meistens, um mich bei unseren Eltern in Schwierigkeiten zu bringen, wie ich jetzt vermute. Aber meine Schwester und ich haben es übernommen und werden es nicht los. Sehr unladylike, ich weiß.“
Ich stelle die Tasse ab, falte eine dicke Stoffserviette auseinander und halte sie ihr hin, damit sie ihre Hand darauflegen kann. Widerwillig tut sie es und sieht mich die ganze Zeit an; in ihren Wangen zittert eine nervöse Regung. Ich schließe ihre Hand zwischen meine und tupfe den Kaffee erneut ab.
Ich bewege mich langsamer als zuvor. Koste den Moment aus.
Es hat so viel darin gesteckt, dass es schade wäre, diesen Augenblick zu überstürzen.
„Oh Gott“, stöhnt sie. „Es tut mir leid. Du musst mich für das tollpatschigste Mädchen der Welt halten.“ Sie blickt auf und verfängt sich in meinem Blick.
„Eigentlich“, murmele ich, „glaube ich, du machst das vielleicht mit Absicht.“
„Warum sollte ich absichtlich zweimal hintereinander heißen Kaffee über mich schütten?“
Ich sehe sie vielsagend an. „Damit ich es für dich sauber mache.“
Sie erstarrt, doch ihre Augen schnellen von unseren Händen zu meinem Gesicht und wieder zurück. Es ist nicht zu leugnen. Selbst wenn ihr Gehirn diese Handlungen nicht bewusst auswählt, ist jetzt ihr Körper derjenige, der am Steuer sitzt.
Ich verstärke meinen Griff um ihre klebrige Hand und ziehe sie an mich. Mit einem kleinen Keuchen stößt sie gegen meine Brust, aber sie weicht nicht zurück.
Ich lege meine Lippen auf ihre. Zuerst sanft. Doch während wir uns küssen, tritt Liv in den Hintergrund, und Olivia übernimmt. Ihre vollen Lippen werden weich und öffnen sich. Ihre Zunge huscht hervor, erkundet meinen Mund, selbstsicher und gierig.
Das war nicht Teil des Plans.
Aber Pläne ändern sich.
3
OLIVIA
Gottverdammtnochmal. Das kann nicht passieren.
Ich mag unbeholfen sein, aber ich habe geküsst. Ich habe viel geküsst!
Oder zumindest dachte ich das. Ich dachte, ich wüsste, wie sich ein Kuss anfühlt. Wie er schmeckt. Ich nahm an, ich wüsste, was Leidenschaft ist.
Aber Aleks küsst, als würde er es ernst meinen. Und mit jeder vergehenden Sekunde begreife ich mehr und mehr, wie sehr ich mein ganzes Leben lang zu kurz gekommen bin.
Ich lehne mich an ihn, verlange gierig nach mehr. Zwischen meinen Beinen passiert etwas, mein Herz hämmert, und meine Hände sind hungrig. Ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle.
Deshalb bin ich, als seine Lippen meine verlassen, um stattdessen meinen Hals nachzuzeichnen, schockiert, als mir klar wird, dass ich irgendwie auf seinen Schoß geklettert bin. Ich sitze rittlings auf ihm.
Meine Hände wandern über seine nackte Brust. Irgendwie ist sein Hemd aufgeknöpft worden. Nicht ganz, aber so weit offen bis zu seinem Bauch, dass ich einen Teilblick auf Bauchmuskeln habe, die verdammt noch mal wie der Himalaya aussehen. Ich zähle zwei, vier, sechs, acht.
Er knabbert an meinem Hals, was offenbar eine direkte Verbindung zu der Hitze zwischen meinen Beinen ist, wenn man danach geht, wie unmittelbar ich darauf reagiere. Ich stöhne und greife nach dem Bund seiner Hose. Meine Fingerspitzen streifen über die gewaltige Wölbung in seinem Schritt.
Ich bin nicht im Geringsten überrascht festzustellen, dass er ordentlich bestückt ist. Ein Mann mit so viel Selbstsicherheit muss einen großen Schwanz haben, oder? Oder so sagt Mia jedenfalls. Sie würde das sehr viel besser wissen als ich.
Wenn ich kurz innehalten würde, um zu analysieren, was ich da tue, wäre ich vielleicht enttäuscht von mir. Aber gerade jetzt kann ich mir nicht vorstellen, das zu bereuen. Nicht, wenn er sich so gut anfühlt.
Ich zucke zusammen, als seine Hand unter mein Shirt gleitet. Seine Finger sind kühl auf meiner nackten Haut, aber bei dem Tempo, in dem mein Körper sich aufheizt, wird sich wohl ohnehin alles kühl anfühlen im Vergleich zu mir.
Meine Lippen sind nur einen Wimpernschlag von seinen entfernt, als ausgerechnet bei all dem gottverlassenen Mist, der mir schon passiert ist, seit Aleks in mein Leben gestürmt ist, die verdammte Macarena aus meinem Handy losdröhnt.
„Scheiße!“ Ich erbleiche, schwinge mich von seinem Schoß und lande ziemlich ungraziös auf dem Polster neben ihm. „Sorry …“
Ich schnappe mir mein Handy, um es stummzuschalten, doch dann sehe ich Mamas Nummer auf dem Display.
